Sonntag, 27. September 2009

Berlin Marathon 2009

Nach dem großen Highlight im Mai - 72,7km - war meine Motivation leicht gesunken. Oder vielmehr, ich war laufgesättigt. Eine Trainingsunlust begleitete mich bis in den Sommer hinein. Und lediglich die Angst, dicker zu werden, trieb mich in Laufschuhen auf die Straße. Im Hinblick auf das letzte Jahresevent überkam mich eine gewisse Gleichgültigkeit. Ein schneller Marathon? Mir fehlte der wirkliche Reiz. Dennoch...irgendwann kam die Lauflust und auch der Ehrgeiz zurück. Ich trainierte wieder halbwegs diszipliniert, wenn auch wenig im Tempobereich. Ich wusste, dass ich keine 3:30h laufen werde. Aber eine 3:40h...damit liebäugelte ich. Schließlich waren das nur 3 Minuten als beim Spreewaldmarathon im April. Nun steckten mehrere hundert Trainingskilometer in meinen Beinen.
Der Sommer verging, mein Leistungsvermögen schien zu stagnieren. Trainierte ich zuviel? Zu wenig? Ich lief Wochenumfänge von 70-80km, dazu kam die körperlich schwere Arbeit auf der Baustelle, an manchen Tagen beides an einem Tag. Ich fühlte mich zunehmend ausgepowert. Sommerliche Temperaturen erschwerten dazu das Trainieren zu "normalen" Tageszeiten.
Die Schule fing wieder an, die Motivation und die Vorfreude auf den Marathon kam zurück. Ich lief bei den Stienitzsee Open einen letzten Test-Halbmarathon in einer Zeit von 1:46h. Ich war sehr glücklich darüber, denn es hob meine Hoffnungen, tatsächlich im 3:40iger Bereich laufen zu können.
Zwei Tage vor dem Marathon bekam ich Halsschmerzen. Ich dopte mich mit Grippostad, antiseptischer Gurgellösung und viel Vitamin C. Es half nichts. Einen Tag vor dem Lauf hatte ich heftige Muskelschmerzen, so dass ich den halben Tag im Bett verbrachte. Dennoch trat ich am Sonntag an, ignorierte die Warnungen des Veranstalters, bei Anzeichen eines Infektes von der Teilnahme zurückzutreten. Wie immer war die Stimmung grandios. Dänen über Dänen, soweit das Auge reichte und das Ohr hören konnte. Matthias startete aus Startblock E, ich aus F. Ich freute mich auf den Lauf. Und ich wusste, dass ich die Zeit nicht schaffen werde.
Nach dem Startschuss überholte ich den Pacemaker für die 3:45h. Ich spulte mein Programm ab, lief kontinuierlich bis sich meine neue Hose bemerkbar machte. Ich hatte gegen die Marathonregel Nummer 1 verstoßen und trug eine Hose, die ich vorher noch nie anhatte. Sie rutsche mir bis unter den Hintern hoch, so dass meine Oberschenkel gegeneinander rieben. Ich lief mich wund! Und ich beschloss aus diesem Lauf eine der längsten Schmerzmeditationen zu machen, die ich bisher praktiziert hatte. Ich konzentrierte mich auf die Schmerzen, die meine wunden Oberschenkel verusachten, im Wechsel mit den Schmerzen, die mir Seitenstiche brachten. Es funktionierte. Bald war das eine nicht mehr zu spüren, dann das andere. Ich lief langsam, aber stetig. Meine Zielzeit hatte ich längst aufgegeben. Dafür genoss ich diese riesengroße Party. Es war toll, mal einen langen Lauf in solch zahlreicher Gesellschaft absolvieren zu können. Vielen Dank dafür. Am Wilden Eber war die Stimmung wie immer auf dem Höhepunkt und auch am Insbrucker Platz sorgten die Trommler für Gänsehaut. Ich hatte viel Spaß, auch wenn sich im Ziel doch ein wenig Enttäuschung in mir breitmachte. Ich hatte in schlappen 3:54h gefinisht. Matthias wartete bereits. Er war bei 3:18h über die Ziellinie gelaufen. Meine Hochachtung dafür!
Am nächsten Tag war ich dann richtig krank, so dass es im Nachhinein richtig gewesen war, langsam zu laufen. Mein Körper sendet eben doch die richtigen Signale und ich kann ihm vertrauen. Und nun? Ich wollte eigentlich eine Pause einlegen, meinen Muskeln mal absolute Regeneration gönnen. Da fiel mir doch glatt der Trainingsplan für die 100km aus meinen Unterlagen...Biel...ich glaube, ich will dich! Ja - ich will dich! Und zwar nächstes Jahr!
Ab Oktober trainiert Kerstin wieder...für Biel, denn einmal muss man in Biel gewesen sein :-) !!!

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