Samstag, 31. Januar 2009

Die Mütze

Ich habe seit kurzem eine Mütze. Ja, ich, die weltbeste Mützenhasserin und sich lieber im Winter die Ohren-Abfriererin, also jemand, der Mützen eigentlich nicht ausstehen kann, weil sie die Haare, die mühselig und sorgfältig zurechtgelegten, plattdrücken, jegliche Art von Frisur (ausgenommen von solchen, die eigentlich schon als Glatze gelten müssten) zerstören und vernichten. Mützen lassen runde Gesichter noch runder und damit eierkuchenmäßig erscheinen. Sie geben dem Kopf eine unvorteilhafte Form. Sie zerstören jegliche Natürlichkeit, sie sind Fremkörper und Störfaktor zugleich. Sie beherben Läuse und anderes Ungeziefer. Sie sind aus Wolle und kratzen. Sie sind pädagogische Gewaltausübung und Machtdemonstration. Ich hasse Mützen! Und bisher lebte ich gut ohne sie. Gut, es gab bereits kalte Tage, sehr kalte Tage in meinem mützenlosen Leben. Tage, an denen ich schmerzhaft blaugefrorene Ohrläppchen hatte, die Stirn unangenehm pochte, weil der eisige Wind das dahinter liegende Gehirn schockgefrostet hatte. Aber ich habe diese Tage überlebt. Und das ganz ohne Mütze. Doch nun habe ich eine Mütze. Minus 18 Grad Celcius und die Gefahr, beide Ohren zu verlieren, haben mich in die Knie gezwungen. Seit den sibirischen Temperaturen laufe ich also mit Mütze. Und ich muss zugeben- ich liebe meine Mütze. Sie ist schwarz. Und sie ist aus weichem Funktionsfleece. Und sie verdeckt die völlig verfransten Haare am Morgen. Ein Vorteil (gut, morgens um vier ist es dunkel und ohnehin noch niemand unterwegs, der sich für meine Haare interessieren könnte). Sie schützt meine Ohren und meine Stirn und das dahinter liegende kostbare Gut des Wissens vor dem Kältetod. Und...diese Mütze ist wahnsinnig sexy! Ich laufe jetzt also mit schwarzer, weicher Mütze, die zusätzlich noch einen Hinweis auf meine Persönlichkeit bietet. Auf meiner Mütze steht: ultimative runner!
Nun passiert folgendes, wenn ich mit meiner Mütze laufen gehe. Ich schiebe es auf meine Mütze, denn eine andere Erklärung habe ich nicht parat. Außerdem muss ich die zwei Ereignisse, die die langen Läufe im Nachhinein erwähnenswert machen in irgendeinen Zusammenhang mit dem Titel bringen. Also...wenn ich laufe, wenn ich lange laufe, wenn ich noch länger als lange laufe, dann ist die Verschmelzung von Körper und Geist das Ziel dieser mentalen Übung und körperlichen Tortur. Ich bekomme also ab einem bestimmten Stadium der Dehydrierung und Unterzuckerung eine Art Tunnelblick. Ich falle in einen Trancezustand. Völlig der Wirklichkeit entrückt, bewegen sich meine Füße vorwärts. Ich sehe nichts. Das heißt aber nicht, dass ich nichts höre. Und diese glasige Blick, der sich in völliger Konzentration nach innen richtet, bedeutet auch nicht, dass ich in irgendeiner Weise gewaltsam aus diesem Zustand befreit werden muss. Es passierte bei einem dieser Läufe, während meines Trancezustandes, und es war verdammt nochmal nicht das erste Mal!!!...ein Auto hupte neben mir. Ich weiß nicht wieso. Weder war mir der Fahrer bekannt, noch war ich versehentlich auf die Fahrbahn geraten, noch lagen sonst irgendwie verständliche Gründe vor, die ein Hupen neben mir, einer geistig transformierten Läuferin mit Mütze, rechtfertigen würden. Aha! Da haben wir es. Die Mütze. Ich bin geneigt zu glauben, dass mich die Mütze so dermaßen cool, sexy, sportlich, verführerisch und frisurenlos erscheinen lässt, dass diesen verdammten, geifernden, schweißgeilen Autofahrern nichts besseres einfällt, als auf die Hupe zu drücken. Aber liebe Autofahrer, habt ihr jemals darüber nachgedacht, was so ein Hupen bei einer mental in sich gekehrten Läuferin anrichten kann? Nein? Gut, dann sage ich es euch. ES VERFÄLSCHT DIE MAXIMALE HERZFREQUENZBILANZ! Wenn jemand völlig konzentriert bei einer Sache ist, kann es passieren, dass ein plötzliches auftretendes lautes Geräusch ihn zu Tode erschreckt. UND ICH BIN FAST GESTORBEN! Oder wie kann man Pulsspitzen von über 200 Schlägen pro Minute sonst erklären. Also liebe Autofahrer, lasst es sein. Und noch etwas...der Sprühnebel der Scheibenwischanlage, der diesen aromatisch chemisch duftenden Frostschutz enthält, brennt in der Nase und in der Lunge und auf den Bronchien, wenn man ihn ungewollter Weise einatmet und aufgrund der ungewöhnlichen Fortbewegungsart des Laufens und des damit verbundenen erhöhten Sauerstoffbedarfs des Körpers tief hinunter in die untersten Zipfel der Lunge zieht. Also bitte erst schauen, auch links und rechts, und wenn da niemand in solchen schwarzen strumpfhosenähnlichen Hosen, Turnschuhen, Fleeceshirts, Handschuhen und SCHWARZEN MÜTZEN MIT AUFDRUCK: ULTIMATIVE RUNNER ist - dann erst wischen. Danke!

Sonntag, 4. Januar 2009

Ein neues Jahr...

...und unzählige Möglichkeiten und Überraschungen, die darauf warten, wahrgenommen zu werden.
Mein Trainingstagebuch ist voll, fast voll. Die letzten Seiten werden für Analysen herhalten müssen. Ja, auch die Möchte-Gern-Profis und Freizeit-Angeber-Läufer sollten sich vor einer Auswertung dem Erreichten oder Nichterreichten nicht scheuen, um neue Ziele und damit neue Pläne möglich zu machen.
Zunächst einmal...besonders für die Laufneulinge und angehenden Marathonläufer und Ultraläufer...hier eine Zahl: 2472,6. Was sagt uns diese Zahl? Sind es die Paare Laufschuhe, die letztes Jahr von mir gekauft wurden? Nein. Sind es die Pulsschläge insgesamt? Nein, auch nicht. Sind es die Kalorien, die ich auf so mancher Strecke gelassen habe? Oder die Haare, wenn die Zeit nicht dem Soll entsprach? Nein, nein und nochmals nein. Richtig ist, es sind meine gelaufenen Kilometer im Jahr 2008! Keine Ahnung, ob das viel ist (wahrscheinlich nicht, es soll Eliteläuferinnen in China geben, die laufen 400km in der Woche!!! Betonung liegt auf Woche!!) Was sind da lächerliche 2472,6 km (die Zahl vibriert auf meiner Zunge und in meinen Füßen)
Nein, ich finde diese Zahl erwähnenswert. Diese Zahl sagt aus, dass ich innerhalb eines Jahres beispielsweise nach Madrid (Berlin-Madrid ca. 2355km) hätte laufen können, wenn ich mich - statt immer die gleichen Runden zu laufen - in eine bestimmte Richtung bewegt hätte. Oder nach Athen (2322km) oder nach Dublin (2045km)...vielleicht hätte ich auch noch Lissabon geschafft (2821km). So gesehen bin ich doch schon ein ganzes Stück herumgekommen. Da formiert sich ein kleiner Wunsch...ein Idee...eine Verrücktheit: wie wäre es, einmal die Welt zu umrunden? Mal sehen, wie viele Jahre ich dafür benötige.

Zum Auftakt des Jahres nahm ich mit Marco und Matthias am Pankower Pfannkuchenlauf teil (schweinekalt), dem Lauf, bei dem sich die Pankower Laufelite trifft. Matthias lief uns - scheinbar ohne große Anstrengungen - gleich nach dem Start weg und verwies mich in die Schranken meines Hochmutes. Ich spürte schon in der zweiten Runde meine Defizite: mangelndes Tempotraining...und lief in einem ungesunden Pulsbereich. Ergebnisse liegen leider noch nicht vor und sind hoffentlich demnächst auf der Website des KSV 90 oder unter Pankower Pfannkuchenlauf einzusehen.
Nun gut, dass heißt für mich wieder rauf auf die Bahn. Ich hoffe, es gibt Sportplätze in der Nähe, die morgens um vier offen und beleuchtet sind. Noch exakt 10 Wochen bis zum Fielmann-Naturmarathon. Unsere Laufgruppe wird zunehmend größer, sehr schön!! Unser Feldhase Carsten ist auch wieder mit von der Partie. Welcome back...! Es wird ein guter Lauf, bei dem alle viel Freude haben werden. Ich jedenfalls freue mich darauf. Und werde mich die nächsten Wochen auf das Erreichen der Schallgrenze... die bei mir zur Zeit bei 3 Stunden und 45 Minuten liegt...vorbereiten.
Somit allen Menschen dieser Welt ein gutes und erfolgreiches Jahr 2009!