...ein Läuferresümee
Dem Jahr, das sich nun in seinen letzten Atemzügen windet, habe ich eine Menge zu verdanken. Es hat mir viele Einsichten gebracht, hat mich geformt, gestärkt, zuversichtlich gemacht, herausgefordert, nachdenklich, manchmal traurig, hoffnungsvoll, begeisterungsfähig und zutiefst glücklich gemacht. Hier nun ein kurzer Rückblick auf mein persönliches Laufjahr 2008:
Ich trainierte am Anfang des Jahres weniger hart. Umso überraschender war für mich die Marathonzeit, die ich beim Fielmann-Naturmarathon erreichte (3:48h, 2.Platz AK 35)Kleinere Läufe wie der Run-Berlin oder der AVON-Frauenlauf im Mai hielten mich bei guter Läuferlaune und verschafften mir nette Laufkontakte und schöne Erinnerungen. Im Sommer trainierten wir wieder gemeinsam mit unserem Feldhasen Carsten, der beim Berlin-Marathon unter 3:30h lief. Unsere Hochachtung und tiefe Verneigung dafür! Auch für die disziplinierten 70%-Herzfrequenzläufe! Hitzeläufe über vier Stunden, romantische Läufe bei Nacht bereicherten meine Wahrnehmung und läuferische Kompetenz (ein Trinkrucksack ist eine tolle Erfindung). Ich liebe Berlin über alles, auch wenn ich diese elendig dreckige, verruchte Stadt sooft es geht verfluche und an ihren Rand geflüchtet bin. Dennoch, ich kann und will nicht ohne sie sein und genieße jeden Lauf durch ihr pulsierendes Kreislaufsystem. Ich liebe die windigen Gestalten, die mürrischen Gesichter, das freundliche Lachen, die leisen und lauten Töne des urbanen Organismus.
Hart war ich zu mir im Sommer. Trieb mich zu Höchstleistungen auf der Stadionbahn, hetzte mich bis an den Rand der Erschöpfung trotz Bau- und Umzugsstreß. Ein Ziel vor Augen: noch schneller beim Marathon in der Schorfheide im September. Die Strecke lehrte mich die Demut, in 3:57h erreichte ich nach meinem ersten Crossmarathon das Ziel. Eine Woche suhlte ich mich in der Enttäuschung, um dann festzustellen, dass alles so wie es ist, völlig in Ordnung ist. Schließlich stehen die großen Herausforderungen noch aus. Die Startnummer für den Rennsteiglauf hängt gut sichtbar über meinem Schreibtisch.
Ich habe letzten Samstag meinen ersten Trainingsmarathon absolviert. Sehr einsame 42 Kilometer. Die ersten 10,5 km kämpfte ich mit Krämpfen in beiden Schienbeinen und vor meinem geistigen Auge blinkten diese rot leuchtenden Buchstaben: WARUM?
Während der zweiten 10,5km kämpfte ich gegen die Stimme im Kopf, die mich zum Aufhören verleiten wollte. Mit engelsgleicher, sanfter Stimme säuselte sie mir direkt ins Nervenzentrum, wie schön eine heiße Dusche sei, danach die Füße hochlegen. Aber sie verschwieg die seelischen Schmerzen, die ich haben würde, wenn ich aufgeben, mein Ziel nicht erreichen würde (so die forschere Stimme auf der anderen Seite, außerdem dachte ich an einen sehr lieben Menschen!!!). In der dritten Runde hielt mich das geistige Mantra: nur noch eine Runde- in endloser Wiederholung am Laufen. Als ich die letzte Runde begann spürte ich die wohlige Wärme der Endorphine meine Adern durchströmen und ich wusste, ich hatte den Kampf gegen mich selber gewonnen. Und that's it! Darum laufe ich. Immer und immer wieder, länger und immer länger. Es bereinigt den Geist, die Seele und das Herz und plötzlich verschwindet die Angst und alle Zweifel und was bleibt ist pures Glück.
Ich wünsche allen Menschen dieser Welt ein ebenso schönes Erlebnis im nächsten Jahr. Werdet glücklich und bleibt es!
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