Dienstag, 26. August 2008

Zeitsprung - 25.08. bis 31.08.2008

Vierzehnte Trainingswoche

Ich muss mich entschuldigen. Sieben Wochen habe ich übersprungen. Ich bin bereits bei Woche 14 und habe lange kein Lauftagebuch mehr geführt. Liegt vielleicht daran, dass rund 85 Laufkilometer pro Woche ihren Tribut sowohl zeitlich als auch kräftemäßig fordern. Aber nichtsdestotrotz- hier ein kleiner Rückblick auf die letzten sieben Wochen:

Unser Tempoläufer und Feldhase Carsten ist wieder mit dabei. Wir laufen die langen Läufe gemeinsam. Dank seiner technischen Ausstattung und seines Kontrollbedürfnisses reguliert er unser Tempo während dieser Läufe, die ja eigentlich langsam, sehr langsam gelaufen werden sollen. Also laufen wir mit Carstens 71% maximaler Herzfrequenz, was immer das für uns bedeuten mag (schmerzende Hüftgelenke und scheinbar endlos dauernde Kilometer -grins). Womit ich gleich zum Highlight der letzten sieben Wochen übergehe: ein geplanter 30km-Lauf. Ganz locker und ruhig, ganz entspannt drei Stunden geselliges Laufen. Ha denkst'e! Es wurde zum Horrortrip. Dem Erfinder der Trinkrucksäcke sei Dank - ich laufe seit geraumer Zeit mit einem dieser lebensrettenden Exemplare - hatte ich an diesem Tag ca. eineinhalb Liter Wasser dabei. Wir trallerten mit über 6 Minuten pro Kilometer, immer auf die Herzfrequenz von Carsten Rücksicht nehmend, Richtung Buch, dann durch den Bucher Forst Richtung Gorinsee als die Sonne erbarmungslos über unseren Hochmut spottete. Bis zum Gorinsee war alles noch in Ordnung (außer das Marco von einem unsichtbaren, monströsen Tier angefallen wurde, welches eine kleine rote Einstichstelle an seinem Knöchel hinterließ). Wir plantschten uns die Haare und die Klamotten am See nass und trabten fröhlich über andere lästernd weiter. Doch es folgten lange Passagen über Felder und Wiesen, in denen uns die sommerlichen Temperaturen zu dieser vormittäglichen Zeit von ungefähr 89,9 Grad Celsius im Schatten den Vertrocknungstod fürchten lehrten. Okay, okay, ich neige zu Übertreibungen. Es waren natürlich nur schlappe 45 Grad Celsius. Mein Gehirn kochte als wir eine Abkürzung über ein Feld suchten (wer ist nur auf diese saublöde Idee gekommen?) Wir begannen von Fata Morganen und Visionen getrieben an Gartenzäunen um Wasser zu betteln. Als wäre es nicht schon erniedrigend genug, dass man so ziemlich als einziger Sonntag Vormittag bei unerträglicher Hitze durch die Gegend hechelt, nein, man muss sich auch noch die Blöße der schlechten Ausstattung geben. Das heißt, ich nicht, ich hatte ja meinen Trinkrucksack!! Aber dennoch nahm ich jede Abkühlung dankbar entgegen, die mein vermutlich schon schwarz verbranntes Gehirn ein wenig ablöschte. Selbst vor einem Blumenladen und dem Bewässerungsschlauch schreckten wir nicht zurück. Ich hoffe, die nette Mitarbeiterin, die uns damit über die nächsten zehn Kilometer half, wurde nicht gekündigt. Summa Summarum waren wir ungefähr viereinhalb Stunden und schlappe 36 Kilometer unterwegs. Als Belohnung gönnten wir uns ein riesiges, megaleckeres Eis am Potsdamer Platz mit megaviel Sahne oben drauf! Dafür lohnt sich allemal die Quälerei.
Was gibt es noch zu berichten? Ich absolviere sehr diszipliniert mein Intervall- und Tempotraining.
In der elften Trainingswoche lief ich nachts mit Carsten durch die Stadt. Ein nettes Erlebnis. Wir wurden angestarrt als wären wir Außerirdische. Berlin ist immer noch aufregend bei Nacht. Wir liefen Unter den Linden, durch das Brandenburger Tor, am Potsdamer Platz, durch Kreuzberg, durch Friedrichshain. Vielleicht kann ich hier gleich mal meine neue Geschäftsidee vorstellen: liebe Berlintouristen, Laufambitionierte, wie wäre es mal mit einer gelaufenen Stadtführung in der Nacht oder gern auch am Tag? Na Interesse? Dann bitte bei mir melden. Das einzige, was ich mal bemängeln muss, sind die Sprüche, die man als Laufender zu hören bekommt. Das übliche "schneller, schneller" ist so dermaßen ausgelutscht. Und auch ein "Sport ist Mord" hängt mir zum Hals raus. Lasst euch bitte mal etwas Neues einfallen. Hier ein paar Vorschläge vom letzten Sonntag (es regnete in Strömen, ein alter Mann mit Hund auf Fahrrad kam uns entgegen): Ihr habt doch ein Ding an der Glocke, aber alle beide, ey! oder Was, schon zurück aus Peking? Da spürt man doch schon einen Hauch an gedanklicher Kreativität und flüssiger Denkweise, nicht wahr?
Habe mittlerweile das Höhenprofil des Schorfheide-Laufes, der in vier Wochen stattfinden wird und an dem ich meine Marathonzeit toppen wollte. Schluck! Nun gut, 100 Höhenmeter sind gleich am Anfang zu überwinden. Das ist mit dem Volkspark Prenzlauer Berg vergleichbar, der an seinem höchsten Punkt 91 Meter über das Meer ragt. Kerstin, du schaffst das! Schaka!!

P.S. Wir haben eine Unterkunft für den Rennsteiglauf gefunden und gebucht. War nicht einfach, aber die erste Hürde haben wir damit gemeistert. Fehlt bloß noch die Anmeldung.

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