Samstag, 30. Januar 2010

Nun heiß mich laufen...

...und ich werde mich an Unmögliches wagen! (aus Shakespeares "Julius Cäsar")

Ich bin für die Bieler Lauftage und den 100km-Lauf gemeldet.

Mit fast vier Monaten Trainingsrückstand fange ich nun an, dem Winterwetter zu trotzen und mich durch den Ultratrainingsplan zu wurschteln, um mich auf mein wahrscheinlich letztes großes Laufevent vorzubereiten. Beides ist nicht einfach. Zum einen machen erhebliche Schneefälle und Temperaturen zwischen Minus 10 und Minus 20 Grad das Training um vieles schwerer bis unmöglich, und zum anderen muss ich die lange Pause erst einmal wieder aufholen. Ich fange also bei 0,5 an. Dennoch, Trainingsunlust und schwere Beine sind Quark von gestern. Disziplin und ein Ziel vor Augen treiben mich nun wieder mitten in der Nacht aus dem Bett. Hart wie Kruppstahl zeige ich den Windböen, die die Temperaturen noch einmal auf gefühlte Minus 50 Grad herabsetzen, wer die Stärkere ist. Vereiste Straßen? Pah - für eine im Ausdruckstanz geübte Langstrecklerin überhaupt kein Problem (wehe ich sehe diese Verrenkungen, die einen schweren Sturz mit üblen Kopfverletzungen vermeiden konnten irgendwann auf Youtube!!). Auch drei Meter hohe Schneewehen auf den Feldwegen rund um Malchow sind kein Problem. Man muss eben immer einen kleinen Spaten mitführen, um sich wieder ausbuddeln zu können. Jetzt weiß ich, wozu man auch in der Stadt hin und wieder ein Lawinenortungsgerät mitführen sollte. Kurz: Kerstin is back on the road!!!

Sonntag, 27. September 2009

Berlin Marathon 2009

Nach dem großen Highlight im Mai - 72,7km - war meine Motivation leicht gesunken. Oder vielmehr, ich war laufgesättigt. Eine Trainingsunlust begleitete mich bis in den Sommer hinein. Und lediglich die Angst, dicker zu werden, trieb mich in Laufschuhen auf die Straße. Im Hinblick auf das letzte Jahresevent überkam mich eine gewisse Gleichgültigkeit. Ein schneller Marathon? Mir fehlte der wirkliche Reiz. Dennoch...irgendwann kam die Lauflust und auch der Ehrgeiz zurück. Ich trainierte wieder halbwegs diszipliniert, wenn auch wenig im Tempobereich. Ich wusste, dass ich keine 3:30h laufen werde. Aber eine 3:40h...damit liebäugelte ich. Schließlich waren das nur 3 Minuten als beim Spreewaldmarathon im April. Nun steckten mehrere hundert Trainingskilometer in meinen Beinen.
Der Sommer verging, mein Leistungsvermögen schien zu stagnieren. Trainierte ich zuviel? Zu wenig? Ich lief Wochenumfänge von 70-80km, dazu kam die körperlich schwere Arbeit auf der Baustelle, an manchen Tagen beides an einem Tag. Ich fühlte mich zunehmend ausgepowert. Sommerliche Temperaturen erschwerten dazu das Trainieren zu "normalen" Tageszeiten.
Die Schule fing wieder an, die Motivation und die Vorfreude auf den Marathon kam zurück. Ich lief bei den Stienitzsee Open einen letzten Test-Halbmarathon in einer Zeit von 1:46h. Ich war sehr glücklich darüber, denn es hob meine Hoffnungen, tatsächlich im 3:40iger Bereich laufen zu können.
Zwei Tage vor dem Marathon bekam ich Halsschmerzen. Ich dopte mich mit Grippostad, antiseptischer Gurgellösung und viel Vitamin C. Es half nichts. Einen Tag vor dem Lauf hatte ich heftige Muskelschmerzen, so dass ich den halben Tag im Bett verbrachte. Dennoch trat ich am Sonntag an, ignorierte die Warnungen des Veranstalters, bei Anzeichen eines Infektes von der Teilnahme zurückzutreten. Wie immer war die Stimmung grandios. Dänen über Dänen, soweit das Auge reichte und das Ohr hören konnte. Matthias startete aus Startblock E, ich aus F. Ich freute mich auf den Lauf. Und ich wusste, dass ich die Zeit nicht schaffen werde.
Nach dem Startschuss überholte ich den Pacemaker für die 3:45h. Ich spulte mein Programm ab, lief kontinuierlich bis sich meine neue Hose bemerkbar machte. Ich hatte gegen die Marathonregel Nummer 1 verstoßen und trug eine Hose, die ich vorher noch nie anhatte. Sie rutsche mir bis unter den Hintern hoch, so dass meine Oberschenkel gegeneinander rieben. Ich lief mich wund! Und ich beschloss aus diesem Lauf eine der längsten Schmerzmeditationen zu machen, die ich bisher praktiziert hatte. Ich konzentrierte mich auf die Schmerzen, die meine wunden Oberschenkel verusachten, im Wechsel mit den Schmerzen, die mir Seitenstiche brachten. Es funktionierte. Bald war das eine nicht mehr zu spüren, dann das andere. Ich lief langsam, aber stetig. Meine Zielzeit hatte ich längst aufgegeben. Dafür genoss ich diese riesengroße Party. Es war toll, mal einen langen Lauf in solch zahlreicher Gesellschaft absolvieren zu können. Vielen Dank dafür. Am Wilden Eber war die Stimmung wie immer auf dem Höhepunkt und auch am Insbrucker Platz sorgten die Trommler für Gänsehaut. Ich hatte viel Spaß, auch wenn sich im Ziel doch ein wenig Enttäuschung in mir breitmachte. Ich hatte in schlappen 3:54h gefinisht. Matthias wartete bereits. Er war bei 3:18h über die Ziellinie gelaufen. Meine Hochachtung dafür!
Am nächsten Tag war ich dann richtig krank, so dass es im Nachhinein richtig gewesen war, langsam zu laufen. Mein Körper sendet eben doch die richtigen Signale und ich kann ihm vertrauen. Und nun? Ich wollte eigentlich eine Pause einlegen, meinen Muskeln mal absolute Regeneration gönnen. Da fiel mir doch glatt der Trainingsplan für die 100km aus meinen Unterlagen...Biel...ich glaube, ich will dich! Ja - ich will dich! Und zwar nächstes Jahr!
Ab Oktober trainiert Kerstin wieder...für Biel, denn einmal muss man in Biel gewesen sein :-) !!!

Montag, 18. Mai 2009

Rennsteigimpressionen







Und ewig ruft der Rennsteig...

...nachdem man ihn einmal laufend bewältigt hat!
Wir haben es geschafft. In 8 Stunden und 15 Minuten finishten Matthias und ich den 72,7km langen Supermarathon. Ein unvergessliches Erlebnis für mich!

Der Tag X begann um 2 Uhr in der Nacht. Unser Shuttlebus sollte um 3Uhr40 ab Schmiedefeld, dem Zielort, abfahren. Ich frühstückte wie immer, Kaffee und Honigbrötchen. Der Blick auf die Uhr war etwas befremdlich, doch ich spürte nur die Aufregung und das steigende Adrenalin in meinen Adern. Wir parkten auf einer matschigen Wiese und stiegen wie Todgeweihte in den Bus zur Hinrichtung. Gott sandte uns ein Zeichen, denn er ließ den Motor des Busses vorübergehend und mitten auf der Autobahn Richtung Eisenach, dem Startort, ausgehen. Zehn Minuten zitterten alle mitfahrenden Teilnehmer, ob wir es noch pünktlich zum Start schaffen. Doch es ging weiter und wir kamen 40 Minuten vor dem Start in Eisenach an. Nachdem ich panisch und in höchster Not Toiletten suchen musste, von denen wie immer viel zu wenig vorhanden waren, mich vordrängeln musste, um nicht schon mit nassen Hosen starten zu müssen, versuchten wir uns auf das Bevorstehende zu konzentrieren. Pünktlich um 6 Uhr wurden 2000 Läufer auf die Strecke entlassen. Ich hatte Hunger, das Frühstück lag schon lange zurück. Die Thüringer Berge kamen schnell und heftig. Ab Kilometer 10 entschloss ich mich für einen Temporückgang und Gehen an den Steigungen. Matthias lief weiter und schnell war er aus meinen Sichtfeld verschwunden. Immer wieder brabbelte ich mein hilfreiches Laufmantra, während mein Puls stieg und stieg. Ich war zum ersten Mal ohne Eigenverpflegung unterwegs und auf das angewiesen, was angeboten wurde - Wasser und Isogetränke. Leider gab es nur Wasser mit Kohlensäure, gesüßtes Wellnesswasser, Tee und Cola. Ich probierte Wasser mit Kohlensäure, was mir schnell Seitenstiche und Magenbeschwerden verursachte. Also Wellnesswasser. Aber auch das entpuppte sich als nicht kompatibel mit meinem Vitargo verwöhnten Läufermagen. Den Tee und dessen verheerende Wirkung kannte ich vom Vattenfallhalbmarathon, also ließ ich gleich die Finger davon. Ich geriet in akute Flüssigkeitsnot und tankte weiter Wellnesswasser. Bereits nach 20km und 2 Laufstunden spürte ich die nicht enden wollenden Steigungen in meinen Oberschenkeln. Ausdauer, Kraft und Mut...immer wieder spulte ich die Worte in meinen Kopf ab. Ausdauer, Kraft und Mut...ich stellte sie mir geschrieben vor, in Farbe, schwarzweiß, in Bewegung, zerlegte sie in Silben...Ausdauer, Kraft und Mut. Der Hunger nagte an mir und meinen Energiereserven. An jedem Versorgungspunkt stopfte ich zerstückelte, matschige Bananen in meinen Schlund und spülte mit Wellnesswasser hinterher. Doch der Zucker in dem Wasser hob die Wirkung der Bananen auf, so dass ich spätestens nach zwanzig Minuten wieder Hunger hatte. Da half nur eins - Haferschleim! An der nächsten Versorgungsstelle griff ich einen Becher und kippte ihn ohne vorher den Inhalt zu inspizieren in meinen hungrigen Schlund. Lecker! Fruchtig und süß machte mich diese Geheimrezeptur satt. Der Inselsberg stand kurz bevor, zeigten die Wanderschilder an. Die Steigungen nahmen immer mehr zu, niemand von den Läufern lief mehr, alle gingen in straffen Schritten dem Gipfel entgegen. Ich spürte meinen Magen, der gegen den Haferschleim rebellierte. Oder war es das Wasser? Ich überlegte kurz, ob es sinnvoll ist, das ganze wieder hinauszubefördern. Aber durch meine Konzentration bewältigte ich auch dieses Problem und den Inselsberg dazu. Die Temperaturen sanken, oben auf dem Berg war es neblig und ich war froh, mein Shirt nicht wie geplant am Start weggeworfen zu haben, so dass ich etwas überziehen konnte. Meine Hände waren dick geschwollen und klamm. Aber ich fühlte mich noch immer gut und konzentriert. Einen langen Abschnitt ging es dann abwärts, der für heftige Stöße im Rücken und in den Kniegelenken sorgte, aber den Antrieb etwas entlastete und an den Steigungen verlorene Minuten wieder aufholen ließ. Der Hunger meldete sich wieder und die Energiereserven neigten sich dem Ende zu. Der Mann mit dem Hammer winkte aus der Ferne, ich musste dringend etwas unternehmen. Am nächsten Getränkestützpunkt experimentierte ich. Ich mixte einen Becher Vitacola mit Wasser. Nachdem ich mich wieder in Bewegung gesetzt hatte, suchte sich die Kohlensäure lautstark einen Weg nach draußen, aber das war mir egal. Ich spürte den Zucker durch meine Adern wandern und die Muskeln mit frischer Energie versorgen. Die Ebertswiese kündigte sich mit lauter Musik und Publikum an. Ich nahm erneut einen Becher Haferschleim - Heidelbeersuppe genannt. War lecker, aber nicht das richtige für meinen Magen. Ich beschloss, bei Cola zu bleiben. Die Hälfte war nun geschafft, 37,4km in knapp vier Stunden. Ich dachte an den letzten Marathon und dass ich um diese Zeit längst im Ziel war. Eine wenig Wehmut kam in mir auf und ich spürte meine steigungsmüden Beine. Ausdauer, Kraft und Mut...ich versuchte mich wieder ganz auf mich und die Bewegung zu konzentrieren. Und es gelang mir, abzutauchen. Ich spürte das Lächeln in meinem Gesicht und die Leichtigkeit meiner Beine. Ich hatte ein Runners High! Kilometer 40 war passiert, Kilometer 45...immer wieder Cola und Wasser...die Zeit verging, mein Kopf schwieg, ich war zu einer Maschine geworden. Doch dann kehrte der Hunger zurück. Heftiger als zuvor. Der Zucker in der Cola forderte seine Tribut mit heftigen Insulinausschüttungen. Ich spürte meine Knie weich werden, mir wurde schwindlig und flau. Da tauchte der Grenzadler vor mir auf. Powergel war mein Gedanke - ich brauche dringend Powergel! Aber es gab kein Powergel. Dafür roch es nach Bratwurst und Grillfleisch. Zwei Becher Cola mussten mich nun bis zur nächsten Verpflegungsstelle bringen. Und wieder ging es berghoch. Mit forschen Schritten und der Vision von fettigen Bratwürsten, Bratkartoffeln und riesigen Portionen Nudeln erklomm ich den nächsten Anstieg. Sechs Stunden waren inzwischen vergangen. Die nächste Getränkestelle ließ ich aus, nur Bier, Wasser mit Kohlensäure und Tee...keine Cola. Ich bekam Angst. Es ging immer noch straff bergauf. Ausdauer, Kraft und Mut...ich klammerte mich an mein Mantra...abtauchen, nichts mehr spüren, Ausdauer, Kraft und Mut...! Die Wege wurden ebener, trockener und leichter zu laufen. Ich kam gut voran. Und da tauchte Matthias vor mir auf. In einem leichten Anflug von Tempowahn spurtete ich nach vorn, tippte ihm locker auf die Schulter und freute mich über die Wiederbegegnung. Matthias ging es offenbar nicht ganz so gut, er kämpfte mit den Steigungen und mit sich selbst. Er legte auch auf relativ ebenen Abschnitten Gehpausen ein und schickte mich weiter. Ich lief allein weiter.
An der nächsten Versorgungsstelle gab es dann endlich Powergel! Eine schnelle Mixtur aus Cola, Wasser und Powergel, zusammen mit Bananenstücken und Brot mit Salz, die ich in mich hineinstopfte, dämpfte ich das Hungergefühl und beruhigte meinen Magen. Ich fühlte mich gut, hochmotiviert, denn es waren nur nicht mal mehr 20km zu laufen. Und dann tauchte Matthias wieder auf. Wir hatten nur noch 12km vor uns. Oder hatte ich mich verrechnet? Die Straßenschilder irritierten. Unsere Strecke führte weiter durch den Wald. Die Steigungen waren nun mäßig und gut zu laufen. Ich freute mich, fühlte, wie sich bereits die Endorphine in meinem Körper stauten. Doch plötzlich explodierte etwas in meinen Körper. Vermutlich die viele Cola oder die Mischung der letzten Versorgungsstation. Ich versuchte mich auf meine drei Wörter zu konzentrieren...Ausdauer, Kraft und Mut. Ausdauer,Kraft und Mut...doch meine Körper rebellierte endgültig. Ich musste loswerden, was mir zu schaffen machte. Es lagen noch ca. 6km und 40 Laufminuten vor uns. Nach einem beherzten Sprung in die Büsche ging es mir besser. Der Weg führte nun mehr bergab. Das jedoch schier endlos. Ich überlegte, ob man in Thüringen die Kilometer doppelt zählt. Auch Matthias wartete ungeduldig auf das Kilometerschild mit der 70. Fußgänger kamen uns entgegen, klatschten und beglückwünschten uns. Sollten wir dem Ziel nahe sein? Und dann tauchte es vor uns auf: Kilometer 71! Die Endorphine explodierten in mir, ich spürte das Strahlen in meinen Gesicht. Immer mehr Leute säumten den Wegesrand, klatschten, riefen etwas wie "bald habt ihr es geschafft"...und dann führte der Weg aus dem Wald auf eine Straße...Leute klatschten, riefen mir zu "Schaut, sie lächelt noch!"...und ich wusste, wir hatten es geschafft. Dann kam die Absperrung, Musik ertönte, ich entdeckte Günni und die Kinder, die uns zujubelten. Ich riss die Arme hoch, schrie vor Freude, die Leute am Zieleinlauf klatschten, unsere Namen wurden genannt und wir überquerten gemeinsam die Ziellinie. Marco wartete und nahm mich in den Arm. Alle physische und psychische Anstrengung fiel in einem von mir ab und ich begann zu weinen. Wir hatten es tatsächlich geschafft. 72,7km lagen hinter uns! Und es war der geilste Lauf, den ich je gelaufen bin!!!!

Nach den Gurken gejagt...

...und einen erfolgreichen Marathon abgeliefert. Neue Bestzeit: 3 Stunden 43 Minuten und 55 Sekunden!
An den Versorgungsstellen gab es tatsächlich saure Gurken. Alles in allem ein schöner Lauf in wunderbarer Natur.

Dienstag, 17. März 2009

Auf zur Gurkenjagd

Nein, ich habe dem Laufsport nach der Fielmann-Schlappe nicht abgeschworen. Im Gegenteil. Auf der Suche nach einem meinen Leistungsverhältnissen angemessenen Trainingsplan für die letzten acht Wochen vor dem Jahreshighlight stolperte ich visuell über einen Trainingsplan für einen 100km-Lauf. Das Training besteht aus vier bis fünf Einheiten pro Woche (wie angenehm), die Tempoeinheiten beschränken sich auf zwei bis drei Intervalle über maximal 3km mit einer Geschwindigkeit von 5:45min/km (mein Lockerlauftempo) und ansonsten besteht der Plan aus langen, seeeeehhhhr langen und langsamen Läufen (max. 50km) . Also wie maßgeschneidert für einen Schneckenlangläufer wie mich. In der Mitte des Planes prangt eine dickgedruckte Zeile: Trainingsmarathon! Und just in diesem Moment schiebt mir Volkslaufneuling Christian einen Flyer vom Spreewaldmarathon unter die Nase. Vielversprechende Veranstaltung, offenbar gut durchorganisiert, flache und asphaltierte Strecke, die in zwei Halbmarathonetappen zu absolvieren ist (also wieder mit Aussteigeroption), Zuschauer und Musik an der Strecke werden quasi versprochen. An den zahlreichen Verpflegungspunkten alle drei Kilometer werden Essigwasser und Gurkenhäppchen gereicht, natürlich alles regional hergestellte Produkte. Am Ende erhält jeder Läufer als lebenserhaltende Maßnahmen eine original Spreewälder Senfgurke zwischen die ausgetrockneten Lippen gesteckt. Gesunde Kohlehydrate, sozusagen. Ich habe nicht lange gezögert und mich spontan für eine Gebühr, die dem des Berlin-Marathons durchaus das Gurkenwasser reicht, angemeldet. Und werde hoffentlich in vier Wochen stolze Besitzerin einer gusseisernen, die Halswirbel gefährdend schweren Gurkenmedaille sein.
Ich freue mich drauf!!!

Sonntag, 15. März 2009

Die Fielmann-Niederlage

Am gestrigen 14. Märztag war es soweit. Der Fielmann-Natur-Marathon wartete darauf, mit neuer Bestzeit erobert zu werden. Mit großen Zielen stand ich am Start. Auf jeden Fall sollte die Bestzeit vom Vorjahr unterboten werden. Ich war mir meiner Sache sicher, auch wenn mich in letzter Zeit körperliche Symptome der Erschöpfung plagten und ich in den Wochen davor mit Infekten ekligster Art kämpfen musste. Ich hatte dennoch wöchentlich um die 80km trainiert. Gut, ich habe das Intervalltraining vernachlässigt. Aber in den Wintermonaten machten Frost und Co dem ambitionierten Läufer das Leben schwer. Wie auch immer...das Wetter bot perfekte Bedinungen, die Stimmung war gut und zuversichtlich, das Omen (ich stand an erster Stelle auf der Anmeldeliste!) sprachen für sich und einen guten Lauf.
Allerdings spürte ich bereits in der ersten Runde, dass mein Körper ein Tempo um die 5'20 min pro km nicht wirklich wollte. Ich finishte die erste Runde von 10,5km in 58 min...glaubte dann, das Tempo erhöhen zu müssen und hängte mich an einen drahtigen älteren Herrn, der offensichtlich große Pläne hatte. Die zweite Runde absolvierte ich in ca. 1h52 und musste mich bereits arg motivieren, um in die dritte Runde zu gehen. Mein Kopf riegelte bereits ab, meine Socken scheuerten unter den großen Zehen und schickten im Rhythmus der Schritte schmerzhafte Signale ans Gehirn. Ich wurde langsamer, schleppte mich zum Versorgungspunkt und legte die erste Gehpause ein. Kilometer 30 passierte ich bei ca. 2h40 oder 43, jedenfalls finishte ich die dritte Runde mit 2h 51 (31,5km). Die mentale Krise wurde übermächtig oder ich wurde schwach...der Kopf sagte stop und ich hielt an. Ein Mitläufer versuchte mich noch zum Weiterlaufen zu animieren, aber die Entscheidung war mit dem Stehenbleiben längst gefallen. Ich glaubte, zu langsam zu sein, meine Zeit ohnehin nicht mehr zu schaffen. Eine Zeit von 2h50 für 35km hatte sich in meinem Kopf eingebrannt. Ich wartete auf Marco, der ca. 20 min nach mit die dritte Runde beendete. Er war zuversichtlicher als ich, wollte den Marathon beenden. Also entschloss ich mich, um keinen ungefinishten Marathon in meiner Liste zu haben, ihn zu begleiten und so den Lauf wenigstens noch zu beenden. Marco hatte Probleme mit seinem Knie, blieb alle 200m stehen, um zu dehnen. Ich trabte sehr entspannt neben ihm her, im Kopf meine eigene Leistung oder vielmehr mangelnde Leistung analysierend. Nach 4h 25 liefen wir gemeinsam durch das Ziel.
Das Omen blieb mir dennoch. Aufgrund fehlender weiblicher Mitläufer wurde ich mit meiner schlechtesten Marathonzeit 1. der AK 30.
Der Blick auf die Tempotabelle zu Hause zeigte, dass ich nahezu exakt im 3h45-Tempo lief. Ich hätte Km 35 erst in 3h06 passieren müssen. Ich hätte nur weiterlaufen müssen, um meine Zielzeit zu schaffen. Aber gut, shit happens! Und ein gutes hat dieser Lauf dennoch: da er als Vorbereitung auf den eigentlichen Jahreshöhepunkt diente, hat er mir deutlich gezeigt, dass ich über eine gute Grundausdauer verfüge. Denn im ruhigen Tempo hätte ich durchaus noch eine fünfte Runde geschafft. Lediglich für schnelle Marathonläufe fehlt mir die Tempohärte. Das bedeutet für die Vorbereitung des Berlin-Marathons: Mehr Intervalle!!!
Also Rennsteig...ich werde dich bezwingen!